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Aufarbeitung der T3

„ME 4092“ wurde am 11. Juni 2013 90 Jahre alt

Ein stolzes Alter - und wenn man dann noch auf ein langes Leben mit weiteren Reisen hoffen kann, gehört man zu den glücklichen - auch als Lok.

Am 11.Juni 1923 begann das Leben der letzten gebauten württembergischen T3. Ein Jahr, das durch die Hyperinflation gekennzeichnet war, und in dem nur 3 Wochen nach dem Geburtstag unserer T3 der amerikanische Dollar genau 1 Million Mark Wert war. Diese wirtschaftlichen Verhältnisse spiegelten sich auch in der Beschaffung von Loks wieder. So konnten 1923 gerade mal 31.Lokomotiven von der Maschinenfabrik Esslingen (ME) verkauft werden. Neben 26 Loks an die Reichsbahn (5 Stück wüT14, 2 Stück wüC und 19 Stück wüK) wurden lediglich noch 5 Stück an Industriebetriebe verkauft. Eine dieser Industrieloks, die unter Fabriknummer ME4082 für die Schwäbischen Hüttenwerke in Wasseralfingen hergestellt wurde, war die ältere Schwester unserer Lok und somit die vorletzte gebaute württembergische T3. Zusammen mit dieser Lok, und vielleicht auch zum „aufräumen“ der Lagerbestände dieses Typs, leistet sich die ME in einem Jahr, in dem es wohl genügend freie Zeit in der Werkstatt gab, nun unter der Fabriknummer „ME4092“ selber eine wüT3 für den Werksverschub und den Übergabeverkehr zur Staatsbahn.
An jenem 11. Juni 1923 wurde die Inbetriebnahmeurkunde von der Reichsbahndirektion Stuttgart ausgestellt, nachdem bereits am 19.März des Jahres unter Aufsicht von „Oberregierungsbaurat Seifsdorf“ (handschriftliche Unterschrift...) eine Probefahrt im Werksgelände anstandslos durchgeführt wurde. 41 Jahre blieb die „ME 4092“ als „Werklok 1“ für ihre Herstellerfirma in Esslingen im Einsatz und wahr wohl auch auf den Übergabegleisen zur Staatsbahn in Stuttgart-Obertürkheim öfters zu sehen. So manches Bild gibt es, wo eine kleine Lok eine moderne große Dampflok, oder auch nur einen Tender, verschiebt. Meist ist es unsere wüT3. Erst 1944 kam als Verstärkung unserer Lok eine ältere T3 der Ursprungsbauform mit kurzen Wasserkästen von der Teuringertalbahn unter Nummer „2“ zur ME. Diese Lok kann an übrigens heute im Technikmuseum Mannheim bewundern.

Nach der Stillegung der „ME4092“ wurde sie als Spielplatzlok in Kornwestheim aufgestellt. Wie wir bei der Zerlegung der Lok erkennen mussten war dies eine sehr materialverschleißende Zeit. Der von den Kindern in alle Hohlräume der Lok verbrachte Sand sorgte insbesondere in den Rahmenwasserkästen zusammen mit dem von ihm mitgebrachten und gehaltenen Wasser für extreme Korrosionsschäden.
Zu ihrem 80. Geburtstag begann für ME 4092 nun der Beginn der Auferstehung. Der „Förderverein zur Erhaltung von Lokomotiven der Maschinenfabrik Esslingen“ (FVME) nahm sich der letztgebauten württembergischen T3 an und ist seither mit einer kleinen Mannschaft von Aktiven dran, diese Lok wieder betriebsfähig aufzuarbeiten. Trotz der bei der Zerlegung immer wieder sichtbar werdenden Schäden sind Sie guter Dinge, die Lok in absehbarer Zeit wieder auf die Schienen bringen zu können. Als Einsatzstrecke wird die schwäbische Waldbahn favorisiert, auf der Loks dieser Bauart anfänglich nicht nur in Doppeltraktion den Eröffnungszug zogen sondern auch viel Jahre den Gesamtverkehr abwickelten. Natürlich wird die „ME4092“, oder „89 412“ wie sie mittlerweile im nationalen Fahrzeugregister des EBA genannt wird, mit ihren 300PS nur kleinere Züge auf der Strecke ziehen, die mit 24Promille sogar steiler ist wie die Geislinger Steige. Aber genau für diesen Gelegenheitsverkehr wird „ME4092“ dann die richtige Lok sein.

Momentan sind wir bereits wieder im Zusammenbau der Lok, nachdem sie in jahrelanger Arbeit bis auf die letzte Schraube zerlegt wurde. Viele Teile mussten instand gesetzt werden. So wurden die Radsätze im Dampflokwerk Meiningen überarbeitet und in die C-Achse neueKuppelbolzen eingesetzt. Der Kessel hat mittlerweile auch seine Korrosionsschäden verloren und als Geburtstaggeschenk für „ME 4092“ ihoffen wir darauf, dass das das Eisenbahnbundesamt den für ihren Dampferzeuger nach der Instandsetzung zwingend vorgeschriebenen Zulassungbescheid ausstellt. Bei der Fahrwerksaufarbeitung sind die Achslagerführungen bereits wieder im instandgesetzten Rahmen eingebaut und konnten vermessen werden. Dabei zeigte sich, dass die kleine Mannschaft an der Lok so genau gearbeitet hat, dass sogar die Urmaßtoleranzen der Neufertigung für Dampfloks unterschritten werden. „ Das soll auch zukünftig unser Ziel sein. Wir lassen uns lieber mehr Zeit und wollen dafür eine Lok in den Betrieb schicken, die hoffentlich lange Zeit nur Pflege braucht und keine Werkstattaufenthalte“, so die Ingenieure und Schlosser vom FVME.


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Die T3 erzählt was aktuell so passiert